Radebeul Oberlössnitz

Weinbau, Kulturdenkmäler und Treppen, so hoch wie der Mt. Everest

Der heutige Radebeuler Stadtteil Oberlößnitz war bis 1934 eine selbstständige Landgemeinde. Das im Volksmund „die Oberlößnitz“ genannte Gebiet ist heute hauptsächlich durch den sächsischen Weinbau sowie durch seine villenartige Bebauung geprägt.

Der Weinbau hat in der Oberlößnitz seit dem Mittelalter Tradition. Schon im 10. bis 12. Jahrhundert förderten ihn die hier ansässigen Markgrafen und Bischöfe. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts – vor allem in Folge der für die gesamte Lößnitz verheerenden Reblauskatastrophe der 1880er-Jahre – wurde der Weinbau zeitweilig ganz eingestellt und erst Jahrzehnte später wieder intensiviert. Heute werden in der Oberlößnitz prämierte Weine der Sorten Müller Thurgau, Riesling, Traminer, Weißburgunder, Ruländer, Spätburgunder, Regent und Dornfelder angebaut.

Die Oberlößnitzer Weinbautradition ist nicht nur kulinarisch von Bedeutung. Ab Ende des 16. bis Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche und teils prächtige Herrenhäuser, die den Weinbergsbesitzern als Sommersitz dienten. Seither trägt die Oberlößnitz ihr unverkennbares und bei vielen Einheimischen sowie Touristen beliebtes Gesicht aus Weinterrassen und historisch gut erhaltenen Villen.

Heute zeugen noch zahlreiche Kulturdenkmäler von der einst prachtvollen Geschichte der Oberlößnitz. Von besonderer Bedeutung ist dabei das als Weingut Hoflößnitz weithin bekannte Ensemble aus mehreren Gebäuden und Weinbergen links und rechts der bekannten Spitzhaustreppe. Heute Sächsisches Weinbaumuseum, war die Hoflößnitz in kurfürstlich- und königlich-sächsischer Zeit fast 500 Jahre lang das Zentrum des höfisch-sächsischen Weinbergsbesitzes.

Am oberen Ende der 397 Stufen zählenden, barocken Spitzhaustreppe thront mit dem Spitzhaus ein ehemaliges Radebeuler Lusthaus. Das weithin sichtbare Gebäude liegt auf der Hangkante des Elbtalkessels rund 100 Höhenmeter über der Hoflößnitz und gilt heute als Wahrzeichen Radebeuls. Unweit des Spitzhauses wartet außerdem der 1907 eingeweihte Radebeuler Bismarckturm auf Besucher. Als einer von noch rund 145 erhaltenen Türmen zu Ehren Ottos von Bismarck lädt er dazu ein, den Blick über das Elbtal schweifen zu lassen.

Die Spitzhaustreppe wiederum zieht Jahr für Jahr nicht nur Kultur- und Weininteressierte, sondern auch Extremsportler aus aller Welt nach Oberlößnitz. Seit 2005 ist sie Austragungsort des internationalen „Sächsischen Mt. Everest Treppenmarathons“. Der Lauf gilt als schwerster und größter Extremtreppenlauf der Welt. Innerhalb von 24 Stunden müssen die Läufer die Treppe 100 Mal bewältigen und dabei eine Höhendifferenz von 8.848 Metern überwinden, der Höhe des Mount Everests.

Prägend für den Stadtteil ist außerdem das Landschaftsschutzgebiet, das mit seinen trockengesetzten Weinbergsmauern als „Historische Weinberglandschaft Radebeul“ seit 1999 auch unter Gebietsdenkmalschutz steht und von Oberlößnitz im Osten bis nach Zitzschewig reicht.

Gemeinsam mit dem benachbarten Niederlößnitz zählt das alleengesäumte und besonders grüne Villengebiet der Oberlößnitz auch heute noch zu den besten Adressen und beliebtesten Wohnlagen Radebeuls. Die Radebeuler Denkmalliste führt zu einem großen Anteil Villen der Ober- und Niederlößnitz auf. Entsprechend begehrt sind Grundstücke heutzutage, und entsprechend verantwortungsvoll sollten Bauherren damit umgehen. Modernes Bauen mit individuellen Lösungen ist dabei aber durchaus erwünscht.

Neben den repräsentativen Villen entstanden seit den 1920er-Jahren auch Ein- und Zweifamilienhäuser als neue, zweckdienliche Wohnhaustypologie. Hinzu kommen einige wenige Mehrfamilienhäuser, die ebenfalls in den 1920er- und 1930er-Jahren von Baugenossenschaften in Anlehnung an die Ideale der Gartenstadtbewegung errichtet wurden.

Durch die in den frühen 1990er-Jahren flächenhaft begonnene Sanierung der historischen Gebäude, ist die Oberlößnitz heute weitgehend komplett saniert. Mit der Privatisierung des Bausektors entstanden in den letzten beiden Jahrzehnten einzelne Wohnbauten und ganze Wohnquartiere in Form von Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern in attraktiven Lagen.

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